• Bauherr: Landeshauptstadt Kiel- Städtischer Baudirektor, Dezernat II - Stadtentwicklung und Umwelt

Das Areal des vergessenen Quartiers befindet sich in zentraler Lage zwischen Gaarden und der Innenstadt/Bahnhof. Durch die Nähe zum Hafen besitzt es einen besonderen maritimen Bezug und verfügt in großen Teilen über eine schöne Sicht in Richtung Kieler Förde.

Nach Norden wird das Gebiet durch die Neuapostolische Kirche begrenzt, in Richtung Osten durch die Jugendherberge, im Süden befinden sich ein Discounter und eine Autovermietung, im Westen wird das Areal durch die Werftstraße eingefasst. Topografisch ist das Quartier in Richtung Osten stark durch den ca.18m hohen Hang zur Jugendherberge hin geprägt.

Bis zum 2. Weltkrieg wurde es durch die Werft genutzt. Seit der Jahrhundertwende war es Teil der Germaniawerft, insbesondere stand hier bis in die Nachkriegszeit hinein die „Kraftzentrale“ der Werft, d.h. die Energieerzeugung. Aktuell befinden sich auf dem Gelände unter anderem Wohngebäude, ein Autohändler und der Medienservice AVT.

Eine Nutzung ergibt sich durch die Lage und die umgebenden Faktoren des Gebietes. Die starke Lärmbelastung durch die Werftstraße/Fähren und der Hang im Rücken machen eine Wohnnutzung schwierig. Durch die attraktive Lage und die gute Erreichbarkeit wird empfohlen, Nutzungen als Büro/Gewerbe und oder Hotel/Jugendherberge anzustreben.

Hier werden 2 mögliche Varianten einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Neubebauung gezeigt.

Variante 1 Mäander/Höfe

Im nördlichen Bereich Richtung Kirche sind 3 Geschosse angeordnet plus Parkebene im KG. Die vorhandene Wohnbebauung Werftstraße 189,191 wird als Solitär freigestellt. Eine Anbindung des “Mäanders“ an das AVT-Gebäude befreit dieses aus seiner Hinterhoflage und ermöglicht die Option einer Erweiterung in die Neubauflächen.

Die Mäanderform ergibt sich aus den städtebaulichen Bezügen der direkten Umgebung, den Straßenfluchten oberhalb in Richtung Zentral-Gaarden und den Gebäudeausrichtungen auf dem Grundstück selbst. In der Front zur Werftstraße öffnen sich Höfe in Richtung Westen. Durch die Kubatur ergibt sich ein grüner Rückzugsraum hinter dem Gebäude, der große Aufenthaltsqualitäten bietet.

Variante 2 Reihung

Es bildet sich ein Ensemble von Gebäudefronten, welches die Bebauungsdichte auflöst.

Die neue Bebauung schließt an den Giebel des AVT-Gebäudes an, aus der bestehenden Struktur ergibt sich der “Kamm“ mit zugehörigem Hof. Analog setzt sich die Bebauung nach Norden in Form von Riegel fort, die zu einem U zusammengefasst sind. Alle Riegel werden über eine zweigeschossige zurückliegende Spange verbunden, in welcher alle “halböffentlichen“ Nutzungen untergebracht werden. In den Riegeln sind Erschließungskern, Nebenräume und die Büroflächen angeordnet. Die Flächen sind nach Süden und Westen ausgerichtet und somit hervorragend belichtet.

Die Außenanlagen vor dem Gebäude halten die Werftstraße auf Abstand, geben der Bebauung einen gestalteten Vorbereich und leiten durch die Tiefe der Höfe zur Hangbegrünung über.

Bei beiden Varianten wird das Gelände mit möglichst hoher Effizienz überbaut, ohne den direkten Blick auf die Kirche und die Jugendherberge stark zu beeinträchtigen. Zudem wird eine dynamische Grundrissgestaltung ermöglicht.

 

  • BGF: 36.500 m²
  • Wohnfläche: 14.500 m²
  • Fertigstellung: 2012
  • Bauherr: Neue Lübecker Baugenossenschaft

Hier ist nach dem Abbruch baufälliger Wohngebäude ein lebendiges innerstädtisches Quartier mit einer Mischung aus Gewerbeflächen in der Erdgeschosszone und Wohnungen in den Obergeschossen entstanden.
Die 98 Wohnungen sind einschließlich der Erschließung über Aufzüge und der Freisitze durchgängig barrierefrei konzipiert, der Wohnungsmix geht über 1 bis 4 Zimmerwohnungen.
Die Außenfassaden aus Ziegelmauerwerk sind aufgrund des hohen Schallpegels an der verkehrsreichen Straße mit entsprechenden Schallschutzfenstern versehen. Die Gartenseiten sind als Putzfassaden mit bodentiefen Fenstern und vorgestellten Skelett-Konstruktionen mit Balkonen, Stützen und einigen Verschattungslamellen ausgebildet.

  • BGF: 12.500 m²
  • Wohnfläche: 9.875 m²
  • Bauherr: Landeshauptstadt Kiel

Die „Sehnsucht nach der Altstadt“ in der Innenstadt Kiels mit ihrer nüchternen, funktionalen Architektur des Wiederaufbaus ist verständlich.
Auf dem als Parkplatz genutzten Grundstück kann ein neues lebendiges Innenstadtquartier mit der Schaffung von vielfältigen Wohnnutzungen, Gastronomie, Läden und Büros entstehen. Die Gebäude sind als einzelne Häuser ablesbar und die Abfolge von Straßen, Plätzen und kleineren Gassen setzt die Maßstäblichkeit des Altstadtgrundrisses fort. Die Bebauung entlang des Jensendamms folgt mit dem Vorplatz und dem großen Baum dem historischen Stadtgrundriss. Das geplante Turmgebäude markiert das Quartier und korrespondiert mit der Nikolaikirche in der Achse der Falckstraße.
Der Bereich der alten Stadtmauer wird erlebbar gemacht.

Städtebaulicher Realisierungswettbewerb 2008